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Nachhaltigkeit im Wald

(nachhaltige Waldbewirtschaftung)

Begriff

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Aufgrund der zunehmenden Verknappung natürlicher Ressourcen und der bedrohlichen Belastung der Umwelt wurde er verallgemeinert und gehört heute bei internationalen Abkommen zu den anerkannten Sprachregelungen.

Eine nachhaltige Entwicklung vermag die heutigen Bedürfnisse zu decken, ohne für künftige Generationen die Möglichkeit zu schmälern, ihre eigenen Bedürfnisse zu stillen.
(Brundtland-Bericht, 1987)

Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise nachwachsen kann.

Regenerierbare lebende Ressourcen dürfen nur in dem Masse genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen.
(K.Ott)

Vereinfacht gesagt, ist eine Nutzung dann nachhaltig, wenn man nur von den Zinsen lebt und das Kapital dabei nicht schmälert.

Auf die heutigen Ansprüche an den Wald bezogen, gilt – in Anlehnung an die Helsinki-Resolution 1993 – folgende Definition:

Nachhaltige Bewirtschaftung bedeutet, die Bewirtschaftung und Nutzung von Wäldern und Waldflächen auf eine Weise und in einem Ausmass, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität erhält, sowie deren Potenzial, jetzt und in der Zukunft die entsprechenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen, nicht schmälert.

Gesamteuropäische Kriterien für nachhaltige Waldbewirtschaftung gemäss Lissabon-Reso­lution L2 1998:

  1. Erhaltung und angemessene Verbesserung der Waldressourcen und ihr Beitrag zu globalen Kohlenstoffkreisläufen
  2. Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von Waldökosystemen
  3. Erhaltung und Stärkung der produktiven Funktionen der Wälder (Holz- und Nichtholzprodukte)
  4. Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der biologischen Vielfalt in Waldökosystemen
  5. Erhaltung und angemessene Verbesserung der Schutzfunktion durch die Waldbewirtschaftung
  6. Erhaltung anderer sozioökonomischer Funktionen und Bedingungen

Ursprünge des Nachhaltigkeitsgedankens

Niederwald
Niederwald

Der Gedanke der Nachhaltigkeit hat seine Wurzeln im Spätmittelalter. Er beschränkte sich damals ausschliesslich auf das Holz und allenfalls weitere Waldprodukte:

  • Die Nieder- und Mittelwaldwirtschaft als erste planmässige und nachhaltige Holzertragsregelung (Waldnutzungssystem) setzt konstante Holznutzungsmengen voraus. Ausgerichtet auf die Umtriebszeit, werden jährlich nur entsprechende Flächenanteile – bei Stockausschlägen im Kahlschlagverfahren – genutzt.
Eicheln-Aussaat
  • Im Hochwald und in beweideten Hainen wurde die Eiche als „fruchttragende“ Baumart bereits im Mittelalter aufgrund forstrechtlicher Schutzbestimmungen und Verpflichtungen durch Pflanzung oder Saat künstlich verjüngt. Ähnliches galt teilweise auch für die Buche.
Kahlschlag
  • Wegen Kahlschlägen für die Belieferung von Städten, Bergwerken, Salinen und Glashütten mehrten sich die Beispiele lokaler und regionaler Holznot. Dies hatte einerseits zur Folge, dass auch die Fichte und Föhre durch ein Saatgutverfahren künstlich verjüngt wurden.

Teile der Verwaltungen von Grossgewerben (v.a. Bergwerke, Salinen) suchten nach Wegen, ihre betriebliche Holzversorgung langfristig zu sichern. Massgebend hierfür waren entsprechende Organisationsformen (Kontrollfunktion), Instruktionen (Holznutzungsordnungen) und erstmals Nutzungspläne. Früheste Waldordnungen resp. Landesherren-Forstordnungen gehen auf die 1.Hälfte des 16.Jh. zurück.

Ausreichende Kenntnisse zur Ermittlung von Holzzuwachs und Holznutzung, als Voraussetzung einer nachhaltigen Holznutzung, lagen allerdings erst ab der 2.Hälfte des 18.Jh. vor.

Der Wald diente zunehmend nicht mehr vorrangig der bäuerlichen Waldweide, sondern sein Holz bildete die Voraussetzung für den Reichtum der Grundherren. Die Einschränkung der bisherigen bäuerlichen Waldnutzungen führte z.B. im deutschen Raum zu erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen (Bauernaufstände, Bauernkrieg 1525).

Auch im Gebirgswald entstand im 18. und 19.Jh. eine grosse Holznot. Erste Forsterlasse, z.B. für die Stadt Chur (1791) oder für den Kanton Graubünden (1822, 1836, 1839) waren weitgehend mit dem Holzmangel und vor allem mit den fehlenden Einkünften für die Gemeinwesen begründet. Die Bedrohung durch Lawinen und andere Naturgefahren war damals kein Hauptargument für die Regelungen. Der grossrätliche Beschluss von 1822 führte das Beschwerderecht bei Kahlschlägen ein, war aber umstritten, weil damit der Grosse Rat in die Verfügungsrechte der Gerichtsgemeinden eingriff. Der ersten kantonalen Forstordnung aus dem Jahre 1836, welche ein Nachhaltigkeitsgebot enthielt, war wenig Erfolg beschieden, weil sie die Kompetenzen der Gemeinden zur Holznutzung zu stark einschränkte und damit verfassungswidrig die Eigentumsrechte einschränkte. In der zweiten kantonalen Forstverordnung von 1839 wurden die Einflussmöglichkeiten des Kantons wieder weitgehend zurückgenommen und die Kompetenzen an die Gemeinden zurückgegeben.

Ab 1859 war es möglich, Steinkohle mit der Bahn bis nach Chur zu transportieren. Damit wurde der Holzverkauf in die Städte zunehmend weniger attraktiv, und der Druck auf die Wälder ging allmählich zurück.

Die Wende bei der Beschaffung der Energieträger erleichterte die Einsicht, dem Schutz des Menschen vor Lawinen und anderen Naturgefahren einen höheren Stellenwert beizumessen. Dies war denn in den folgenden Jahrzehnten auch der Hauptantrieb für das forstpolitische Denken und das forstpolizeiliche Handeln. Richtig Wirkung zeigte schliesslich die kantonale Forstordnung von 1886, als der Kanton den Waldeigentümern Beiträge an die Erarbeitung der Wirtschaftspläne gewährte.

Gesamtschweizerisch konnte sich der Nachhaltigkeitsgedanke und damit die Pflicht zur Einrichtung der Wälder erst mit dem eidg. Forstpolizeigesetz von 1902 verbindlich durchsetzen.

Gesetzliche Grundlagen

Bundesgesetz betreffend die eidgenössische Oberaufsicht über die Forstpolizei (Forstpolizeigesetz) vom 11.Okt. 1902

Öffentliche Waldungen (Schutz- und Nichtschutzwaldungen):
Art.18

  1. Die öffentlichen Waldungen sind gemäss kantonaler Instruktion einzurichten und zu bewirtschaften.
  2. Der Abgabesatz darf ohne Bewilligung der kantonalen Behörde nicht überschritten werden. Überschreitungen sind innert einer von dieser Behörde zu bestimmenden Frist wieder einzusparen.

Privatwaldungen (Schutzwaldungen):
Art.29
Die Kantone sind verpflichtet, zur Erhaltung der privaten Schutzwaldungen und zur Sicherung ihres Zweckes jeweilen das Nötige anzuordnen. Sie haben insbesondere darüber zu wachen, dass in Schutzwaldungen keine erheblichen Holznutzungen zum Verkaufe oder für ein eigenes industrielles Gewerbe, zu dessen Betrieb hauptsächlich Holz verwendet wird, vorgenommen werden.

Das Gebot einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung verpflichtet somit die Korporationen des öffentlichen Rechtes, den Bund, die Kantone, Einwohner- und Bürgergemeinden, ihre Wälder so zu bewirtschaften, dass kommende Generationen ein Erbe antreten können, das dannzumal mindestens soviel produzieren wird wie heute; denn jeder ist nur Nutzniesser eines Kapitals, dessen Ertrag sichergestellt ist. Dieses Gebot bedingt, dass Bewirtschaftungspläne ausgearbeitet werden, die unter anderem die jährlich nutzbare Holzmenge (Abgabesatz, Hiebsatz) angeben.

Äufnung des Holzvorrates

In einigen Regionen, wo die öffentlichen Wälder (wegen früherer Übernutzungen oder grosser Zwangsnutzungen) ungenügend bestockt waren, hatte man die Nutzung während Jahrzehnten unter dem Niveau des effektiven Zuwachses zu halten. Man musste also den Vorrat an stehendem Holz äufnen. Periodisch erstellte Inventare erlaubten es, die Entwicklung des Holzvorrates (= Kapital) zu verfolgen und jedesmal die verfügbare Menge festzuhalten.

Das Gebot der flächendeckenden Nachhaltigkeit hat die Bannwaldphilosophie abgelöst.

In Graubünden standen während 157 Jahren (1839-1996) der Vorrat, der Zuwachs und die Holznutzungen im Zentrum der Betrachtungen. Wichtigste Aufgaben der Waldinventur waren die Waldvermessung und die Vorratsermittlung. Bis 1980 erfolgte die Vorratserfassung mittels Vollkluppierung, d.h. alle Bäume ab 16 cm Brusthöhendurchmesser wurden einzeln gemessen und der Vorrat anhand von Tarifen berechnet. Die Kontrolle der Nutzungen machte der Förster bis im Jahre 2005 an den stehenden Bäumen (Stehendkontrolle) anlässlich der Anzeichnung des Holzschlages. Der Zuwachs liess sich anhand des Vorratsvergleichs zweier aufeinander folgender Inventuren, unter Berücksichtigung der Nutzungen und des Einwuchses in die Kluppierschwelle von 16 cm ermitteln. Der Wald wurde in Abteilungen und Betriebsklassen gegliedert. Die Abteilung war die kleinste Kontrolleinheit für die Nachhaltigkeit, die Betriebsklasse die Grundeinheit für die Festlegung des Hiebsatzes.

Während fast zwei Jahrhunderten wurde nachhaltige Waldbewirtschaftung gleichgesetzt mit der Erhaltung der Waldfläche und der nachhaltigen Holznutzung. Man ist davon ausgegangen, dass alle übrigen Waldfunktionen im Kielwasser der Holznutzung ebenfalls nachhaltig erfüllt würden.

Geändert haben sich in neuerer Zeit lediglich die Aufnahmeverfahren und die Verarbeitung der Datenmengen mit Hilfe neuer Modelle. Die Vollkluppierung wurde 1981 durch Stichprobenverfahren abgelöst.

Den sich verändernden gesellschaftlichen Ansprüchen und damit der umfassenderen Defini­tion des Begriffs „Nachhaltigkeit“ wurde mit der Revision des eidg. Forstpolizeigesetzes und anschliessend mit der Revision des kantonalen Forstgesetzes (1996) Rechnung getragen.

Bundesgesetz über den Wald (Waldgesetz) vom 4.Okt. 1991

Art.20   Bewirtschaftungsgrundsätze

  1. Der Wald ist so zu bewirtschaften, dass er seine Funktionen dauernd und uneingeschränkt erfüllen kann (Nachhaltigkeit).
  2. Die Kantone erlassen Planungs- und Bewirtschaftungsvorschriften; sie tragen dabei den Erfordernissen des naturnahen Waldbaus und des Natur- und Heimatschutzes Rechnung.

Verordnung über den Wald (Waldverordnung) vom 30.Nov. 1992

Art.18

  1. Die Kantone erlassen Vorschriften für die Planung der Waldbewirtschaftung.
  2. . . .
  3. Die Kantone sorgen bei Planungen von überbetrieblicher Bedeutung dafür, dass die Bevölkerung:
    1. über deren Ziele und Ablauf unterrichtet wird;
    2. dabei in geeigneter Weise mitwirken kann;
    3. diese einsehen kann.

Mit dem Waldgesetz von 1991 (in Kraft seit 1.Jan. 1993) sind folgende Änderungen verbunden:

  • keine Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Waldungen
  • Abschaffung der Pflicht zur Erstellung betriebsweiser Bewirtschaftungspläne (neu: fakultativ)
  • Durchführung von Planungen von überbetrieblicher Bedeutung (regionale Waldpläne, Waldentwicklungspläne)
  • Mitwirkung der Bevölkerung
  • Mitberücksichtigung der Anliegen des Natur- und Heimatschutzes

Damit besteht einerseits die Möglichkeit, neben Gesichtspunkten der Holzproduktion insbesondere den Kriterien der Schutzfunktion und der Wohlfahrtsfunktion (Naturschutz, Tourismus, Trinkwasser, Schutz vor Zivilisationsgefahren etc.) vermehrtes Gewicht beizumessen.

Seither werden in Graubünden keine betriebsweisen, sondern nur noch regionale Waldinventuren mittels Stichprobenverfahren durchgeführt. Aufgrund dieser regionalen Waldinventuren können nicht mehr genaue betriebs- und betriebsklassenweise Aussagen über Holzvorräte, Zuwachs etc. gemacht werden. Tendenziell besteht die Gefahr, dass sich die Ausschöpfung der Hiebsätze, d.h. die Holznutzung auf besser erschlossene und damit wirtschaftlich interessantere Wälder konzentrieren, welche eher stärker genutzt werden, während die unerschlossenen Wälder nicht oder nur extensiv bewirtschaftet werden.

Die Lockerung der Planungsvorschriften für den einzelnen Forstbetrieb beruht auf der Tatsache, dass – im Gegensatz zum 19.Jh. – unsere (Gebirgs-) Wälder sehr hohe Holzvorräte aufweisen. Das Problem besteht wegen der defizitären Lage der Forstbetriebe weniger in der Übernutzung als vielmehr in der Vernachlässigung der Gebirgswaldpflege.

Im weiteren gibt das eidg. Waldgesetz in Art.20.5 vor, dass die Kantone dort, wo es die Schutzfunktion erfordert, eine minimale Pflege sicherzustellen haben. Ungenügend erschlossene wichtige Schutzwälder müssen somit ebenfalls gepflegt (bewirtschaftet) werden.

Die Waldeigentümer sind in Graubünden auf Beiträge von Bund und Kanton an die Schutzwaldpflege wie auch an andere Leistungen im Interesse der Allgemeinheit angewiesen. Dafür werden entsprechende Grundlagen verlangt. Deshalb werden im Kanton weiterhin Betriebspläne (Wirtschaftspläne) erstellt. 

Herausforderungen

Die revidierte eidg. Waldgesetzgebung verlangt, dass alle Leistungen des Waldes in die Nachhaltigkeitsbetrachtungen einfliessen. Es können aber nicht alle Leistungen auf einfache Weise quantifiziert und kontrolliert werden. Zudem ist es für gewisse Leistungen nicht möglich, die Nachhaltigkeit im engen Rahmen des Forstbetriebes zu definieren. Dazu bedarf es verschiedener Planungsebenen (Betriebsplan, Waldentwicklungsplan, Regional- und Ortsplanungen etc.), verschiedener  Grundlagen (bestandesweise Waldzustandserfassungen, re­gionale Waldinventuren, regionale Jungwald- und Wildschadeninventuren, Monitoring Wild-Kontrollzäune, Gefahrenkarten, Schutzwaldausscheidung, LFI, BDM etc.), geeigneter Instrumente  (Bedarfsnachweis,  Festlegung Prioritäten,  Einzelprojekte, Mehrjahresprogramme, Programmvereinbarungen effor2, NFA usw.)  und entsprechender Koordination.

Das Amt für Wald Graubünden, welches für die forstliche Planung auf kantonaler und regionaler Ebene zuständig ist und die betriebsweise Planung überwacht, stellt sich diesen Herausforderungen in fachlicher wie auch in organisatorischer Sicht.

Schutzfunktion

Schutzwald im engeren Sinn
Schutzwald im engeren Sinn

Aktuelle Situation
Drei Viertel des Schweizer Waldes sind Bergwälder. Viele dieser Wälder sind Schutzwälder, die in der dicht besiedelten Schweiz eine besonders wichtige Funktion haben. Diese Wälder und die entsprechenden technischen und raumplanerischen Massnahmen schützen vor Lawinen, Steinschlag, Rutschungen, Murgängen, Erosionen und Hochwasser.

Die Bedeutung der Schutzwälder für die Siedlungen, für Zweitwohnungsbesitzer, Freizeitnutzer sowie den Anreise- und Durchgangsverkehr nimmt ständig zu. Damit steigt auch das Schadenpotential bei Naturereignissen.

Dank der griffigen Waldgesetzgebung und deren konsequenter Umsetzung hat die Schutzwaldfläche seit 1876 deutlich zugenommen. In neuerer Zeit trägt die Extensivierung der alpwirtschaftlichen Nutzung zum Einwachsen von Wiesen und Weiden bei. Dadurch nimmt die Waldfläche auch in potenziellen Lawinenanrissgebieten zu.

Durch die erhöhten Schutzansprüche und die zivilisatorischen Belastungen stösst der Schutzwald trotz der Ausdehnung des Waldareals an die Grenzen seiner Möglichkeiten.

Allgemeine Zielsetzung
Der Wald schützt auch in hundert Jahren noch vor Naturgefahren.

Die Leistungen des Waldes zum Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur sind auf einem gesamtschweizerisch vergleichbaren Niveau sichergestellt.

Waldpolitische Ziele

  • Die Stabilität und Dauerhaftigkeit der Schutzwälder ist gewährleistet.
  • Die nachhaltige Verjüngung der Schutzwälder ist sichergestellt.
  • Der Wert des Waldes als kostengünstiger, ökologischer Schutz vor Naturgefahren ist erkannt.
  • Die Schutzwaldpflege wird mit technischen sowie organisatorischen Massnahmen zur Gefahrenabwehr ergänzt (integrales Risikomanagement).

Herausforderungen

  • zunehmende Freizeitnutzung, im Schutzwald namentlich durch Mountainbiker, Hängegleiter, Variantenskifahrer, Schneeschuhläufer
  • Gefährdung durch Immissionen
  • Gefährdung durch Klimawandel (Zunahme von Naturereignissen)
  • grosser Nachholbedarf bei der Schutzwaldpflege (teilweise ungenügende Stabilität und Verjüngungsdefizite)
  • Engpässe bei der Finanzierung der Schutzwaldpflege (defizitäre Forstbetriebe)
  • Belastung durch das Schalenwild (Verjüngungsdefizite, Ausfall wichtiger Baumarten)
  • Konkurrenz des Holzes durch andere Rohstoffe und Energieträger

Lösungen

  • Lenkung der Freizeitnutzung (Absperrungen, temporäre Verbote etc.)
  • Förderung öffentlicher Verkehrsmittel und des sparsamen Umgangs mit Energieträgern, Gebäudesanierungen, Vorgaben für neue Gebäude, Förderung alternativer Energieträger etc. etc.
  • Einrichtung resp. Verstärkung von Frühwarndiensten und Frühwarnsystemen
  • Systematisierung der Gefahrenkataster für sämtliche Naturgefahren
  • erstellen resp. vervollständigen der Gefahrenkarten für sämtliche Naturgefahren
  • Durchsetzung wirksamer Instrumente der Raumplanung
  • Verstärkung des finanziellen Engagements bei der Schutzwaldpflege sowie beim Bau- und Unterhalt von Schutzbauten gegen Naturgefahren
  • Fortsetzung der Bemühungen zur Bereitstellung von Wissen und zur Schulung im Bereich Schutzwaldpflege und Naturgefahren, insbesondere auch bei der Kombination waldbaulicher und technischer Massnahmen
  • Fortsetzung und Verstärkung der Bemühungen um angepasste Schalenwildbestände, Eindämmung von Störungen der Wildlebensräume, Verbesserung des Äsungsangebotes
  • Bevorzugung der Naturverjüngung
  • Förderung des Holzabsatzes und der Holzverwendung
  • Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit

Kontrollinstrumente

  • Landesforstinventar (LFI)
  • regionale Waldinventuren, regionale Waldentwicklungspläne
  • regionale Jungwald- und Wildschadeninventuren, Wald-Wild-Berichte
  • forstliche Betriebspläne
  • Weiserflächen als Instrument der Schutzwaldpflege (NaiS = Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald)
  • Inventar und Statistik über Art und Umfang von Schutzbauten
  • Inventar und Statistik über Aufforstungsflächen
  • Statistik der Nutzungen und Pflegemassnahmen (über Internetplattform LeiNa)
  • Ereigniskataster (Dokumentation der Naturereignisse)
  • Gefahrenkarten (als Grundlage für die kommunalen Nutzungsplanungen)
  • kantonale und regionale Richtplanung

Der Waldentwicklungsplan enthält zahlreiche Ziele und Möglichkeiten der Umsetzung. Wegen des politischen Prozesses und der Interessenabwägung kommen die ökologischen Ziele häufig nicht oder ungenügend zum Tragen. Eine eigentliche Quantifizierung findet über den WEP nicht statt.

Auf Betriebsebene wird der Waldzustand bestandesweise erfasst. Die Analyse erfolgt über GIS-Anwendungen und in Kombination mit anderen Datensätzen. Die Umsetzung wird im Kapitel „Nachhaltigkeitsbetrachtungen“ aufgezeigt. Eine Quantifizierung der modernen Waldfunktionen (ökologische Nachhaltigkeit) findet nicht statt. Weil die finanziellen und organisatorischen Aspekte zu wenig beachtet resp. nicht konsequent durchgesetzt werden, bleiben diese Formulierungen oft Wunschdenken.

Die Anwendung der Instrumente der Schutzwaldpflege (nach NaiS) wird für die Gewährung von Bundes- und Kantonsbeiträgen vorgeschrieben. Sie ist Bestandteil der Mehrjahres-Pro­grammvereinbarungen (effor 2). Die Verbindung von NaiS (Weiserflächen) und WEP resp. Betriebsplanung besteht auf der Stufe Nachhaltigkeit nicht.

Wohlfahrtsfunktion

Erholung, Freizeitnutzung

Freizeit und Erholung in Wald und Landschaft

Aktuelle Situation
Der Wald ist als Ganzes ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Im Wald kommen über 100 Baum- und Straucharten, 2000 Gefässpflanzen und etwa 20‘000 Tierarten vor. Damit beherbergt der Wald auf bloss einem Drittel der Landesfläche rund 70 % aller in der Schweiz vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Zahlreiche auf den Wald angewiesene Pflanzen- und Tierarten sind selten und gefährdet.

Der Wald setzt sich aus zahlreichen Lebensraumtypen zusammen. Dazu zählen die verschiedenen Standortstypen und deren einzelne Lebensphasen. Die Art und Intensität der Waldnutzung  hat einen grossen Einfluss auf die Waldstrukturen und damit auf die Vielfalt der Lebensräume.

Über die genetische Vielfalt im Wald weiss man im allgemeinen zu wenig.

Allgemeine Zielsetzung
Mit der Waldbewirtschaftung werden die Vielfalt der im Wald lebenden Tiere und Pflanzen und die Wälder als naturnahe Ökosysteme erhalten.

Waldpolitische Ziele

  • Der Wald ist ein geeigneter Lebensraum für geschützte, seltene und gefährdete Arten sowie für seltene Pflanzengesellschaften.
  • Die Waldbewirtschaftung fördert die genetische Vielfalt und die Vielfalt an Arten und Lebensräumen. Von Natur aus häufige Arten bleiben häufig, selten gewordene Arten werden wieder häufiger, und ökologisch wertvolle Baumarten nehmen zu. Sie berücksichtigt dabei die Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes.
  • In unseren Wäldern wachsen standortgerechte Baumarten.

Herausforderungen

  • Homogenisierung und Ausdunkelung von Wäldern mangels ausreichender Pflege (Verschwinden wertvoller Strukturen)
  • Mangel an Stark- und Altholz sowie Totholz auf intensiv genutzten Flächen
  • Rationalisierung der Waldpflege und der Holzbringung (grossflächige Verjüngungsschläge)
  • Zerstückelung wertvoller Lebensräume (ungenügende Vernetzung, Verinselung), dadurch Verlust der genetischen Vielfalt
  • gebietsweise Ausfall wichtiger Baumarten (Tanne, Vogelbeere, Bergahorn, Ulme etc.)
  • Verlust seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten
  • Zunahme invasiver Neophyten (Arten der Schwarzen Liste)
  • ungenügende finanzielle Mittel für Massnahmen und Abgeltungen
  • teilweise ungenügende Bereitschaft für Rücksichtnahe und Kompromisse

Lösungen
Umsetzung des kantonalen Rahmenkonzeptes Naturschutz im Wald, mit folgenden Strategien:

  • naturnahe Waldwirtschaft auf der ganzen Fläche
  • gezielte Pflegemassnahmen zur Erhaltung seltener und gefährdeter Lebensgemeinschaften sowie besonderer kulturlandschaftlicher Nutzungsformen
  • Erhaltung der natürlichen Dynamik in seltenen und gefährdeten Lebensgemeinschaften sowie in ausgewählten Beispielen häufiger Waldstandorte durch Verzicht auf jegliche forstliche Nutzung
  • spezielle Massnahmen zugunsten ausgewählter stark gefährdeter Pflanzen- und Tierarten

insbesondere:

  • Einhaltung minimaler Standards für den naturnahen Waldbau (standortgerechte Baumartenwahl, standortgerechte Mischungsregelung, Kahlschlagverbot, Verzicht auf Biozideinsatz etc.)
  • im Schutzwald Einhaltung der waldbaulichen Standards gemäss Wegleitung „Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald“
  • Schaffung eines Netzes von Alt- und Totholzinseln
  • Förderung der natürlichen Dynamik und der Erneuerung von Wäldern
  • Schaffung eines Netzes von repräsentativen Naturwaldreservaten mit vollständigem Nutzungsverzicht und Zulassung der natürlichen Dynamik
  • Schaffung und Unterhalt eines Netzes von Sonderwaldreservaten
  • Gestaltung stufiger und artenreicher Waldränder

ausserdem:

  • Berücksichtigung der Anliegen der Biodiversität bei allen technischen Massnahmen
  • Erstellung und Umsetzung von Vernetzungskonzepten, welche sowohl Wald- als auch Nichtwaldflächen integrieren
  • Verhinderung des Einwachsens artenreicher Wiesen und Weiden
  • Rodungsersatz durch Massnahmen für den ökologischen Ausgleich
  • Verstärkung des finanziellen Engagements bei der Unterstützung von Massnahmen zur Förderung der Biodiversität und für Abgeltungen bei Nutzungsverzicht
  • Verstärkung des finanziellen Engagements zur Eindämmung von Arten der Schwarzen Liste (invasive Neophyten)

Kontrollinstrumente

  • Landesforstinventar (LFI)
  • Biodiversitätsmonitoring (BDM)
  • regionale Waldinventuren, regionale Waldentwicklungspläne
  • forstliche Betriebspläne
  • spezielle Aufnahmen und Planungen im Bereich Biodiversität, z.B. Flächenstatistik über die neu eingerichteten Naturwaldreservate, Monitoring, Flächenstatistik über die neu eingerichteten Sonderwaldreservate, Evaluation der Massnahmen
  • Überprüfung der Qualität waldbaulicher Massnahmen
  • Überprüfung der Auswirkungen von Erschliessungen, Verbauungen, Drainagen etc.
  • Überprüfung der Auswirkungen von Freizeitnutzungen
  • Überprüfung der Auswirkungen raumplanerischer Entscheide

Der Waldentwicklungsplan enthält zahlreiche Ziele und Möglichkeiten der Umsetzung. Wegen des politischen Prozesses und der Interessenabwägung kommen die ökologischen Ziele häufig nicht oder ungenügend zum Tragen. Eine eigentliche Quantifizierung findet über den WEP nicht statt.

Auf Betriebsebene wird der Waldzustand bestandesweise erfasst. Die Analyse erfolgt über GIS-Anwendungen und in Kombination mit anderen Datensätzen. Die Umsetzung wird im Kapitel „Nachhaltigkeitsbetrachtungen“ aufgezeigt. Eine Quantifizierung der modernen Waldfunktionen (ökologische Nachhaltigkeit) findet nicht statt. Weil die finanziellen und organisatorischen Aspekte zu wenig beachtet resp. nicht konsequent durchgesetzt werden, bleiben diese Formulierungen oft Wunschdenken.

Für die Auslösung von Bundesbeiträgen werden mehrjährige Programmvereinbarungen getroffen (effor 2). Diese beruhen auf dem kantonalen Rahmenkonzept Naturschutz im Wald, dem kantonalen Waldreservatskonzept und den periodischen Rechenschaftsberichten.

Biodiversität (Vielfalt von Flora und Fauna)

Eichenwald in der Surselva

Aktuelle Situation
Der Wald ist als Ganzes ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen.               

Im Wald kommen über 100 Baum- und Straucharten, 2000 Gefässpflanzen und etwa 20‘000 Tierarten vor. Damit beherbergt der Wald auf bloss einem Drittel der Landesfläche rund 70 % aller in der Schweiz vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Zahlreiche auf den Wald angewiesene Pflanzen- und Tierarten sind selten und gefährdet

Frauenschuh

Der Wald setzt sich aus zahlreichen Lebensraumtypen zusammen. Dazu zählen die verschiedenen Standortstypen und deren einzelne Lebensphasen. Die Art und Intensität der Waldnutzung  hat einen grossen Einfluss auf die Waldstrukturen und damit auf die Vielfalt der Lebensräume.

Über die genetische Vielfalt im Wald weiss man im allgemeinen zu wenig. 

Allgemeine Zielsetzung

Mit der Waldbewirtschaftung werden die Vielfalt der im Wald lebenden Tiere und Pflanzen und die Wälder als naturnahe Ökosysteme erhalten. 

Waldpolitische Ziele

  • Der Wald ist ein geeigneter Lebensraum für geschützte, seltene und gefährdete Arten sowie für seltene Pflanzengesellschaften.
  • Die Waldbewirtschaftung fördert die genetische Vielfalt und die Vielfalt an Arten und Lebensräumen. Von Natur aus häufige Arten bleiben häufig, selten gewordene Arten werden wieder häufiger, und ökologisch wertvolle Baumarten nehmen zu. Sie berücksichtigt dabei die Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes.
  • In unseren Wäldern wachsen standortgerechte Baumarten.

 Herausforderungen

  • Homogenisierung und Ausdunkelung von Wäldern mangels ausreichender Pflege (Verschwinden wertvoller Strukturen)
  • Mangel an Stark- und Altholz sowie Totholz auf intensiv genutzten Flächen
  • Rationalisierung der Waldpflege und der Holzbringung (grossflächige Verjüngungsschläge)
  • Zerstückelung wertvoller Lebensräume (ungenügende Vernetzung, Verinselung), dadurch Verlust der genetischen Vielfalt
  • gebietsweise Ausfall wichtiger Baumarten (Tanne, Vogelbeere, Bergahorn, Ulme etc.)
  • Verlust seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten
  • Zunahme invasiver Neophyten (Arten der Schwarzen Liste)
  • ungenügende finanzielle Mittel für Massnahmen und Abgeltungen
  • teilweise ungenügende Bereitschaft für Rücksichtnahe und Kompromisse 

Lösungen
Umsetzung des kantonalen Rahmenkonzeptes Naturschutz im Wald, mit folgenden Strategien:

  • naturnahe Waldwirtschaft auf der ganzen Fläche
  • gezielte Pflegemassnahmen zur Erhaltung seltener und gefährdeter Lebensgemeinschaften sowie besonderer kulturlandschaftlicher Nutzungsformen
  • Erhaltung der natürlichen Dynamik in seltenen und gefährdeten Lebensgemeinschaften sowie in ausgewählten Beispielen häufiger Waldstandorte durch Verzicht auf jegliche forstliche Nutzung
  • spezielle Massnahmen zugunsten ausgewählter stark gefährdeter Pflanzen- und Tierarten 

insbesondere:

  • Einhaltung minimaler Standards für den naturnahen Waldbau (standortgerechte Baumartenwahl, standortgerechte Mischungsregelung, Kahlschlagverbot, Verzicht auf Biozideinsatz etc.)
  • im Schutzwald Einhaltung der waldbaulichen Standards gemäss Wegleitung „Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald“
  • Schaffung eines Netzes von Alt- und Totholzinseln
  • Förderung der natürlichen Dynamik und der Erneuerung von Wäldern
  • Schaffung eines Netzes von repräsentativen Naturwaldreservaten mit vollständigem Nutzungsverzicht und Zulassung der natürlichen Dynamik
  • Schaffung und Unterhalt eines Netzes von Sonderwaldreservaten
  • Gestaltung stufiger und artenreicher Waldränder

 ausserdem:

  • Berücksichtigung der Anliegen der Biodiversität bei allen technischen Massnahmen
  • Erstellung und Umsetzung von Vernetzungskonzepten, welche sowohl Wald- als auch Nichtwaldflächen integrieren
  • Verhinderung des Einwachsens artenreicher Wiesen und Weiden
  • Rodungsersatz durch Massnahmen für den ökologischen Ausgleich
  • Verstärkung des finanziellen Engagements bei der Unterstützung von Massnahmen zur Förderung der Biodiversität und für Abgeltungen bei Nutzungsverzicht
  • Verstärkung des finanziellen Engagements zur Eindämmung von Arten der Schwarzen Liste (invasive Neophyten)

 Kontrollinstrumente

  • Landesforstinventar (LFI)
  • Biodiversitätsmonitoring (BDM)
  • regionale Waldinventuren, regionale Waldentwicklungspläne
  • forstliche Betriebspläne
  • spezielle Aufnahmen und Planungen im Bereich Biodiversität, z.B. Flächenstatistik über die neu eingerichteten Naturwaldreservate, Monitoring, Flächenstatistik über die neu eingerichteten Sonderwaldreservate, Evaluation der Massnahmen
  • Überprüfung der Qualität waldbaulicher Massnahmen
  • Überprüfung der Auswirkungen von Erschliessungen, Verbauungen, Drainagen etc.
  • Überprüfung der Auswirkungen von Freizeitnutzungen
  • Überprüfung der Auswirkungen raumplanerischer Entscheide 

Der Waldentwicklungsplan enthält zahlreiche Ziele und Möglichkeiten der Umsetzung. Wegen des politischen Prozesses und der Interessenabwägung kommen die ökologischen Ziele häufig nicht oder ungenügend zum Tragen. Eine eigentliche Quantifizierung findet über den WEP nicht statt. 

Auf Betriebsebene wird der Waldzustand bestandesweise erfasst. Die Analyse erfolgt über GIS-Anwendungen und in Kombination mit anderen Datensätzen. Die Umsetzung wird im Kapitel „Nachhaltigkeitsbetrachtungen“ aufgezeigt. Eine Quantifizierung der modernen Waldfunktionen (ökologische Nachhaltigkeit) findet nicht statt. Weil die finanziellen und organisatorischen Aspekte zu wenig beachtet resp. nicht konsequent durchgesetzt werden, bleiben diese Formulierungen oft Wunschdenken. 

Für die Auslösung von Bundesbeiträgen werden mehrjährige Programmvereinbarungen getroffen (effor 2). Diese beruhen auf dem kantonalen Rahmenkonzept Naturschutz im Wald, dem kantonalen Waldreservatskonzept und den periodischen Rechenschaftsberichten.

Landschaft (Natur- und Kulturlandschaft)

extensive landwirtschaftliche Nutzung – einwachsender Wald

Aktuelle Situation
Der Wald ist ein prägendes Element unserer Landschaft. Sein Anteil an der Gesamtfläche der Schweiz beträgt rund 31 %. Im Alpen- und Voralpenraum nimmt die Waldfläche zu, weil die agrarische Nutzung aufgegeben wird. Gleichzeitig verstärkt sich der Druck auf die Waldfläche in dicht besiedelten Regionen.

Grossflächige Sturmereignisse (Vivian 1990, Lothar 1999), wie auch Schäden durch Lawinenniedergänge, Rutschungen, Erosionen, Rüfen, Felsstürze verändern das Landschaftsbild.

Allgemeine Zielsetzung
Der Wald als Teil der Natur- und Kulturlandschaft bleibt in seiner Gesamtheit und Vielfältigkeit langfristig erhalten.

Waldpolitische Ziele
Der Wald ist ein bedeutendes Landschaftselement und wird in der Raumentwicklungspolitik berücksichtigt.

Die Walderhaltungspolitik berücksichtigt die landschaftlichen Aspekte.

Die Walderhaltung ist auf die Massnahmen zur Erhaltung des Schutzwaldes abgestimmt.

Der Wert einer abwechslungsreichen Landschaft für die Vielfalt an Lebensräumen, die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten, die Erholung und den Tourismus ist anerkannt.

Politik und Gesellschaft sind über die Bedeutung der Landschaft und deren Verletzlichkeit orientiert.

Herausforderungen

  • zunehmender Rodungsdruck in der Nähe grösserer Agglomerationen
  • Einwachsen ganzer Hänge in Berglagen wegen Extensivierung der Landwirtschaft; Verwischung der Übergänge zwischen Wald und Offenland
  • Veränderung der Zusammensetzung der Baumarten und Verschiebung der Höhenstufen nach oben infolge Klimawandels
  • Zunahme von Waldschäden wegen häufigerer Naturereignisse, Trockenheits- und Hitzeperioden infolge Klimawandels, wobei gleichförmige Wälder am wenigsten stabil sind
  • Verzicht auf die Nutzung abgelegener und schwer zugänglicher Wälder
  • Verzicht auf die Mehrfachnutzung kulturlandschaftlich wertvoller Waldtypen (z.B. Lärchen-Weidwälder, Kastanienselven, Eichenhaine)
  • Mehrung flächiger Verjüngungsschläge

Lösungen

  • ökologische Ausgleichsmassnahmen als Rodungsersatz
  • regionale Konzepte für die Behandlung einwachsender Flächen
  • Gestaltung von Übergangsbereichen zwischen Wald und Offenland, namentlich Pflege von Waldrändern
  • Verhinderung des Einwachsens von Wiesen und Weiden mit grosser Artenvielfalt
  • Erstellung und Umsetzung von Vernetzungskonzepten, welche sowohl Wald- als auch Nichtwaldflächen integrieren
  • Verstärkung des finanziellen Engagements bei der Schutzwaldpflege (Förderung der Stabilität und Regenerationsfähigkeit der Wälder, Regulierung der Schalenwildbestände)
  • Einhaltung der minimalen Standards für die Schutzwaldpflege resp. den naturnahen Waldbau
  • Weiterentwicklung der waldbaulichen Methoden, namentlich in Kombination mit Schutzbauten, Vermittlung des Wissens durch Weiterbildung
  • Beobachtung der Waldveränderung durch Klimawandel und Entwicklung entsprechender Strategien
  • Verstärkung des finanziellen Engagements zur Erhaltung kulturlandschaftlich wertvoller Nutzungsformen, inkl. langfristige Sicherung ausgewählter Sonderwaldreservate
  • Förderung der Bemühungen im Umweltschutz (öffentliche Verkehrsmittel, sparsamer Umgangs mit Energieträgern, alternative Energieträger usw.)
  • Öffentlichkeitsarbeit zur Bedeutung des Waldes und zu den Risiken

Kontrollinstrumente

  • Landesforstinventar
  • Erfassung von Ausmass und Qualität einwachsender Flächen
  • Überwachung der oberen Waldgrenze
  • regionale Waldinventuren, Waldentwicklungspläne
  • mehrjährige Leistungsvereinbarungen „Biodiversität“ (effor 2)
  • Analyse von Umfang und Art der Waldnutzungen
  • Analyse der Auswirkungen der Raumplanung
  • Evaluation der Schutzmassnahmen vor Naturgefahren

Trinkwasser

Regulierung des Wasserabflusses durch den Wald

Der Wald hat eine überragende Bedeutung für die qualitative und quantitative Sicherung der Trinkwasservorkommen. 42 % der gesamten Grundwasserschutzzonen befinden sich in geschlossenen Wäldern. Viele Gemeinden haben ihre Trinkwasserfassungen in bewaldeten Gebieten erstellt.

Die Beachtung des Anliegens „genügend und sauberes Trinkwasser“ erfolgt im Wald nach wie vor im Kielwasser der anderen Waldfunktionen. Massgebend ist dabei auch der vollständige Verzicht auf Biozide (Fungizide, Insektizide, Herbizide, Rodentizide) innerhalb des Waldareals; Ausnahme: Schutz von gelagertem Holz gegen Insektenbefall, unter Beachtung der Gewässerschutzbestimmungen.

Eine Gefahr für die Qualität des Grundwassers besteht durch den übermässigen Eintrag von Luftschadstoffen.

Nutzfunktion (Holzproduktionsfunktion)

vorratsreicher Wald

Aktuelle Situation
In der Region „Alpen“ des Landesforstinventars wurden zwischen 1993/95 und 2004/06 pro Jahr knapp zwei Drittel des Zuwachses an Holz genutzt. Das Nutzungspotential liegt viel höher als die Nutzungen in dieser Periode. Der durchschnittliche Holzvorrat ist mit 314 m3 pro Hektare für Gebirgsverhältnisse sehr hoch. Er hat – trotz grosser einwachsender Flächen –  in dieser Periode um 14 % zugenommen.

Rundholzlager

Das Holz ist ein wichtiger erneuerbarer einheimischer Rohstoff und Energieträger. Seine Nutzung trägt durch Substitution anderer Baustoffe und Energieträger massgeblich zur Reduktion der Treibhausgase (CO2) bei. Ausserdem trägt verbautes Holz durch Speicherung von CO2 während seines Einsatzes zur Verbesserung der CO2-Bilanz bei und ermöglicht in dieser Zeit die Suche nach Ersatz für umweltbelastende Energieträger und die Entwicklung energieeffizienter Technologien. Es fällt dezentral an und könnte ohne grosse Transporte in der Region verwertet werden.

Holzbrücke an einem Wanderweg

Die Schweiz ist keine Holzinsel, sondern dem internationalen Markt ausgesetzt. Probleme und Widersprüche liegen im derzeit verschwenderischen Umgang mit Energie und natürlichen Ressourcen. Regionale Wirtschaftskreisläufe sind bei den heutigen tiefen Weltmarktpreisen für Holz kaum zu realisieren.

Allgemeine Zielsetzung
Der Rohstoff Holz wird nachhaltig, effizient und unter Bevorzugung regionaler Wirtschaftskreisläufe genutzt.

Waldpolitische Ziele
Eine leistungsfähige Waldwirtschaft schöpft das nachhaltig nutzbare Holzproduktionspoten­tial des Schweizer Waldes aus. Die natürliche Produktivität des Waldes bleibt dabei langfri­stig gesichert.

Die Arbeitsplätze und das Know-how der Forstwirtschaft werden erhalten bzw. verbessert.

Die Forstbetriebe sind leistungsorientiert organisiert.

Das Holz wird so genutzt, dass der Wald seine Funktionen dauerhaft erfüllen kann und keinen Schaden nimmt.

Der Absatz und die Verwertung des einheimischen Holzes innerhalb der Region wird gefördert. Die regionale Wertschöpfung wird bei der Verarbeitung bestmöglich ausgenützt (regionale Holzkette, geschlossene Wirtschaftskreisläufe).

Die Nachfrage nach stofflichen Holzprodukten (Bauholz, Holzwerkstoffe) nimmt zu. Insbesondere steigt der Anteil Holz bei Gebäuden.

Die energetische Verwertung von Waldenergieholz, Flurholz und Altholz nimmt zu.

Holz und Holzprodukte werden so lange wie möglich im Wirtschaftssystem genutzt. Dabei werden Nutzungskaskaden durchlaufen, die von einem hohen Wertschöpfungsniveau schrittweise in ein tieferes münden.

Dank günstigen Rahmenbedingungen ist die inländische holzverarbeitende Industrie wettbewerbsfähig und innovativ.

naturnaher Waldbau
naturnaher Waldbau

Herausforderungen

  • fehlende Nachhaltigkeitskontrolle auf Ebene Betriebsklassen (Risiko von Übernutzung gut erschlossener Wälder)
  • Zuwachs in älteren Beständen abnehmend
  • grosser Nachholbedarf bei den Nutzungen in oft gleichförmigen Wäldern, die zu Instabilität neigen
  • Diskrepanz zwischen Erntekosten und Holzerlösen (defizitäre Forstbetriebe)
  • zum Teil noch fehlende oder qualitativ ungenügende Basiserschliessung
  • zum Teil unbefriedigende Betriebsstrukturen (Betriebsorganisation, veraltete Holzvermarktungsmethoden)
  • vermehrt grossflächige Verjüngungsschläge
  • grosser Nachholbedarf bei der Jungwaldpflege
  • Einsatz grosser Erntemaschinen mit Belastung des Bodens (Bodenverdichtung)
  • zu viel Rundholzexport, zu wenig Verarbeitung im Kanton, zu geringe regionale Wertschöpfung
  • Grosssägerei in der Region mit Preisdiktat (Käufermarkt)

Lösungen

  • Steigerung der naturnahen Wertholzproduktion (Nischenprodukte)
  • Verstärkung des finanziellen Engagements für die Jungwaldpflege (effor2-Programm Waldwirtschaft)
  • rationelle und schonende Ausführung der Holzernte (minimale Standards für den naturnahen Waldbau einhalten)
  • Einhaltung der minimalen Standards bei der Schutzwaldpflege (NaiS)
  • Schaffung von Rahmenbedingungen für eine konkurrenzfähige Waldwirtschaft
  • Verstärkung des finanziellen Engagements zur Verbesserung der forstbetrieblichen Strukturen
  • Reorganisation der forstbetrieblichen Strukturen (optimale Bewirtschaftungseinheiten, gemeinsame Holzvermarktung) (effor2-Programm Waldwirtschaft)
  • Förderung der Zusammenarbeit in der Holzkette (vom Wald zu den Endverbrauchern)
  • mit ökologisch begründeten Energie- und CO2-Abgaben dem Holz die Chance im Wettbewerb geben
  • Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für eine effiziente und innovative Holzwirtschaft
  • bei Submissionen immer auch eine Variante Holz prüfen, öffentliche Bauten weitestmöglich mit Holz
  • vermehrte Anwendung von Holz bei Sanierungen und Umbauten
  • Wissenstransfer, technologische Weiterentwicklungen bei der Holzverwendung
  • Propagierung der Vorteile des Holzes und innovativer Holzanwendungen (Werbung)
  • Information und Sensibilisierung von Waldbesitzern, institutionellen Endverbrauchern sowie der Bevölkerung über die Zusammenhänge in der Waldpflege wie auch über den Beitrag des Holzes zum Klimaschutz

Kontrollinstrumente

  • Landesforstinventar (auf nationaler Ebene und für Grossregionen)
  • regionale Waldinventuren, Waldentwicklungspläne
  • Hiebsätze (auf Betriebsebene rein rechnerische Schätzungen)
  • Betriebsplanungen (Controlling auf Betriebsebene: Internetplattform LeiNa)
  • Weiserflächen zur qualitativen Überwachung (NaiS)
  • Analyse von Holzschlägen und Überprüfung von Waldzuständen
  • Analyse des Erfolges der Forstbetriebe (Betriebsabrechnungen)
  • Analyse des Holzmarktes (Holzkette)
  • Holzmarktstatistik, Holzexportstatistik

Quellen:

  • Brenner, P.: 1995. Schweizer Wald im Gleichgewicht. BUWAL, Eidg. Forstdirektion (Hrsg.). Bern: EDMZ. 32 S.
  • Bühler, U.: 2007. Wertschätzung der Vielfalt im Wald. Bündnerwald Nr.6. 22-26
  • Eidg. Forschungsanstalt WSL: 2007. Erste Ergebnisse des dritten Landesforstinventars LFI3. Wiss. Fakten zur Medienkonferenz vom 09.11.2007. 12 S.
  • Eidg. Oberforstinspektorat: 1976. 100 Jahre Schutz des Waldes. Eidg. Oberforstinspektorat (Hrsg.). 48 S.
  • Frehner, M.; Wasser, B. et Schwitter, R.: 2005. Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald. Wegleitung für Pflegemassnahmen in Wäldern mit Schutzfunktion. Vollzug Umwelt. BUWAL, Bern (Hrsg.). 564 S.
  • Gordon, R.: 2008. Instrumente zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Bündnerwald Nr.5. 69-72
  • Jordi, B.: 2005. Trinkwasserschutz: Der Waldboden – ein optimaler Filter. BUWAL Magazin Umwelt Nr.3. 32-35
  • Jordi, B.: 2007. Integrales Risikomanagement. Nachhaltiger Umgang mit Risiken. Magazin Umwelt Nr.2. Bundesamt für Umwelt (Hrsg.). 11-13
  • Kästli, P.: 2004. Waldprogramm.ch. Gemeinsam für den Wald der Zukunft. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL (Hrsg.). 36 S.
  • Krafft, U.: 2008. Ressourcenpolitik Holz. Vom Wald zum Wohnen zur Wärme. Magazin Umwelt Nr.4. BAFU (Hrsg.), 6-9
  • Meier, A.: 2007. Schutzwaldpflege zur Sicherung der Lebensgrundlagen im Berggebiet. Bündnerwald Nr.6. 9-15
  • Philipp, B. et Gordon, R.: 2007. Waldwirtschaft im Aufbruch. Bündnerwald Nr.6. 27-31
  • Schoppa, F.N.: 2000. Konsequenzen wald- und forstgeschichtlicher Entwicklungen für die aktuelle genetische Zusammensetzung von Waldbaumpopulationen in Mitteleuropa. Diss. Georg-August-Universität Göttingen. http//webdoc.sub.gwdg.de/diss/2000/schoppa
  • Schweizerischer Forstverein: o.J. Nachhaltige Waldbewirtschaftung in der Schweiz. Faltblatt
  • Schwitter, R. et Frehner, M.: 2007. Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald. Bündnerwald Nr.6. 34-39
  • Vollenweider, C.: 1983. Der Wald in der Schweiz. Schweizerische Bundesfeierspende (Hrsg.). 50 S.
  • Wikipedia: o.J. Nachhaltigkeit; Nachhaltigkeit (Forstwirtschaft). Google
  • Zuber, R.: 2000. Rahmenkonzept Naturschutz im Wald. Amt für Wald Graubünden. Internes Dokument. 17+12 S.

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